Gottes Liebe erfahren und weiterschenken
Kirche mit Hoffnung

Herausgefordert!

Mai 2016

Ein Bericht aus der Zeitschrift IdeaSpektrum (50/2015) hat mich herausgefordert. Gerne gebe ich die Mehrheit daraus mit Ergänzungen wieder und möchte uns alle etwas herausfordern.

Ulrich Parzany (ehemaliger Evangelist von Pro Christ) hat die Wehleidigkeit vieler Christen in Deutschland kritisiert, wenn sie wegen ihrem Glauben auf Widerspruch stossen. Er sei entsetzt, wenn manche Evangelikale gar davon reden, „wir hätten so etwas wie Verfolgung“. Wer das behauptet „hat keine Ahnung, was Christenverfolgung bedeutet“, so Parzany auf der Jahrestagung der Deutschen Evagelistenkonferenz in Rehe. Parzany zufolge sind manche Christen angesichts der Glaubensfreiheit in der westlichen Welt so verwöhnt, dass sie „schon das kritische Augenzwinkern eines Menschen als Kreuzigung empfinden“. „Mich bespuckte noch nicht einmal jemand“, so Parzany, der nach eigenen Angaben wegen seiner evangelistischen Arbeit bei vielen in Kirche und Staat inzwischen als „Sektierer“ gelte. Dass wir unseren Glauben frei ausüben können, ist weltweit gesehen die Ausnahme. In vielen muslimisch geprägten Ländern ist es „lebensgefährlich“, vom Islam zum christlichen Glauben überzutreten. Im NT wird Jesus verfolgt, bespuckt, gefoltert und gekreuzigt. Paulus und die ersten Christen erleben ähnliches – die Zahl derer, die gläubig geworden sind, ist gewachsen, gleichzeitig wuchs auch der Widerstand und die Verfolgung. Darf ich uns einmal fragen: Sollte es uns, seinen Jüngern, anders ergehen? Was haben wir eigentlich im Fokus? Sollte es um unser Wohlergehen gehen, ist das unsere Mission oder haben wir doch noch eine andere? Menschen suchen – zurüsten – und wieder senden?

Parzany kritisiert zugleich, dass in den westlichen Medien die „Fundamentalismus-Keule“ gegen Evangelikale geschwungen werde, weil sie daran festhielten, dass Jesus Christus die Wahrheit sei. Diese Entwicklung führe dazu, dass selbst manche Freikirchen auf Evangelisation verzichten, um nicht öffentlich in die Kritik zu geraten. Stattdessen machten Gemeinden dann Aktionen wie “Wir säubern den Stadtpark“ oder verteilten Rosen vor dem Supermarkt. Häufig werde das Ziel genannt, gesellschaftlich „relevant“ zu werden. Parzany warnte evangelikale Gemeinden davor, einen ähnlichen Weg einzuschlagen, wie es die evangelische Kirche bereits vor Jahrzehnten getan habe – nämlich „Anerkennung durch Diakonie“ zu bekommen. Diakonie sei zwar unverzichtbar, dürfe aber nicht den Auftrag zur Evangelisation verdrängen. Parzany zufolge beschäftigen Diakonie und die katholische Caritas heute rund eine Million Mitarbeiter. Das seien mehr, als in der Automobilindustrie beschäftigt seien. Es gebe jedoch kaum noch hauptamtliche Evangelisten in der Landeskirche. Ihre Stellen seien zugunsten von Gemeindeberatern gestrichen worden. Darf ich uns einmal fragen: Wozu dienen unsere diakonischen Dienste? Diese Fragen müssen wir uns gefallen lassen. Es ist ein Auftrag an uns Christen, diakonisch zu wirken, doch dabei darf das Missionarische nicht vergessen gehen. Am Ende geht es darum, ob die Menschen im Himmel bei Gott sind oder ob sie ewig von ihm getrennt in der Hölle leiden.

Parzany erinnerte an die biblische Aufforderung, Gott mehr zu gehorchen als den Menschen: „Wir verweigern den Gehorsam und sind bereit, die Konsequenzen zu tragen, wenn staatliche Gesetze oder gesellschaftlicher Druck uns zwingen wollen, gegen Gottes in der Bibel geoffenbarten Willen zu verstossen.“ Darf ich uns dazwischenfragen: „Wirklich?“ Dies sei mit Unbequemlichkeiten verbunden, aber Jesus Christus habe seinen Nachfolgern nie ein „stilles und ruhiges Leben“ verheissen. Parzany mahnte Christen, ihren Gegnern mit Feindesliebe zu begegnen. Diese könne man beispielsweise von Pfarrer Uwe Holmer lernen, der 1990 dem abgesetzten DDR-Staatschef Erich Honecker und seiner Frau Margot für zehn Wochen Obdach gewährte, als „niemand für sie mehr einen Tisch und ein Bett hatte.“ Dieser Holmer, der selbst eine Bibelarbeit an der Tagung hielt, kritisierte, dass die Botschaft von der leiblichen Auferstehung Jesu Christi in der evangelischen Kirche immer mehr infrage gestellt werde: „Wer die Auferstehung leugnet, verliert die Grundlage für eine biblische Theologie.“ Viele Theologen betrachten die Wunder Jesu nicht mehr als historisches Geschehen. Die Folge seien „blasse, nichtssagende Predigten“ und eine geistliche Müdigkeit in den Gemeinden.

Darf ich uns die Frage stellen: Wie sieht es mit uns aus? Sind wir auf den Auftrag fokussiert, den Jesus Christus jedem von uns und allen zusammen gegeben hat oder lassen wir uns auf Abstellgeleise ein? Haben wir uns daran gewöhnt, dass unsere Verwandten, Freunde, Arbeitskollegen verloren gehen? Haben wir dem Frieden zu liebe und der Einheit zu liebe aufgehört, für die Wahrheit, Gottes Wort, einzustehen und aufgehört, die Gute Nachricht zu verkünden? Zur Guten Nachricht gehört auch die Tatsache der ewigen Verlorenheit, sonst brauchen wir gar keine Gute Nachricht. Sonst sind ja eh alle beim „lieben Gott“ am Ende ihres Lebens. Wenn wir die Bibel ernst nehmen, dann gibt es keinen „lieben Gott“, sondern „nur“ einen liebenden Gott, der alles bereitet hat, damit Menschen umkehren können – umkehren müssen die Menschen aber dann schon noch wollen.

Darf ich uns die Frage stellen: Wollen wir noch Zeugen für Jesus sein, auch wenn dies weh tut? Wollen wir die Menschen wirklich lieben? Wollen wir an der Wahrheit der Bibel festhalten? Das ist nicht billig zu haben. Jesus Christus und vielen seiner Jünger in der Vergangenheit und Gegenwart hat es das Leben gekostet. Jesus sagt in Lk 9,23-26: Nun wandte sich Jesus an alle und sagte:
»Wenn jemand mein Jünger sein will, muss er sich selbst verleugnen, sein Kreuz täglich auf sich nehmen und mir nachfolgen. 24 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es retten. 25 Was nützt es einem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen, wenn er dabei sich selbst ins Verderben stürzt oder unheilbar Schaden nimmt? 26 Denn wer nicht zu mir und meinen Worten steht, zu dem wird auch der Menschensohn nicht stehen, wenn er in seiner Herrlichkeit und in der Herrlichkeit seines Vaters und der heiligen Engel kommt.«

Das fordert mich heraus! Und trotzdem, ich will ein Zeuge sein, denn Jesus sagt in Hebr 12,1-2: Wir sind also von einer grossen Schar von Zeugen umgeben, deren Leben uns zeigt, dass es durch den Glauben möglich ist, den uns aufgetragenen Kampf zu bestehen. Deshalb wollen auch wir – wie Läufer bei einem Wettkampf – mit aller Ausdauer dem Ziel entgegenlaufen. Wir wollen alles ablegen, was uns beim Laufen hindert, uns von der Sünde trennen, die uns so leicht gefangen nimmt, 2 und unseren Blick auf Jesus richten, den Wegbereiter des Glaubens, der uns ans Ziel vorausgegangen ist. Weil Jesus wusste, welche Freude auf ihn wartete, nahm er den Tod am Kreuz auf sich, und auch die Schande, die damit verbunden war, konnte ihn nicht abschrecken. Deshalb sitzt er jetzt auf dem Thron im Himmel an Gottes rechter Seite.

Herausgefordert,
Stefan Kym