Gottes Liebe erfahren und weiterschenken
Kirche mit Hoffnung

Gnade oder Gesetzlichkeit

September/Oktober

Gnade oder Gesetzlichkeit

 

Wie bewertest du deine Arbeit in der Gemeinde, gegenüber der Arbeit am Arbeitsplatz oder zu Hause? Hat die Eine mehr wert als die Andere? Ist die Eine geistliche Arbeit und die andere säkulare Arbeit? Solches Denken ist unter uns Christen, wenn wir ehrlich zu uns sind, öfters verbreitet, als uns lieb ist. Wie werden Evangelisten und Missionare bestaunt, als wären sie von einem anderen Stern. Solches Denken kommt aus der antiken griechischen Philosophie und nennt sich Dualismus. Dabei wird die materielle Welt als schlecht und die geistliche Welt als gut gestempelt. Oft wird in der Gemeinde sehr ähnlich gedacht. Die Gemeindearbeit mit ihren Aktivitäten wird als gut und rein angesehen, die säkulare Welt als schlecht und verdorben. Man dient Gott am besten direkt in der Gemeinde, alles andere ist eher zweitrangig oder sogar böse.

 

Wer das Evangelium von der Gnade nicht verstanden hat, der neigt zu einer pharisäischen-zwanghaften rituellen Reinheit.  Die Gesetzlichkeit führt zu einem dualistischen Christsein, die innerhalb der Grenzen der Gemeinde bleibt und Beziehungen und Situationen meidet, die es mit Nichtchristen und deren Ideen konfrontiert. Zudem lässt das Schwarz-Weiss-Denken der Gesetzlichkeit keine Flexibilität und Toleranz und für eine tiefere Auseinandersetzung bei Grauzonen des Christseins zu, die jedoch unbedingt notwendig ist, weil längst nicht alles so klar ist, wie teilweise getan wird. In der Bibel erfahren wir z.B. viel über das Leben einer Gemeinde aber kaum etwas, wie wir als Christen ein Unternehmen zu führen hätten. Dafür müssten wir uns gründlich mit den Ideen der Welt auseinandersetzen, was uns schwierig und bedrohlich erscheinen kann.

 

Die biblische Weltsicht ist das Gegenteil eines Dualismus. Christsein ist mehr als eine Reihe von Glaubenssätzen, die ich annehmen kann, um Erlösung für meinen Geist zu finden. Die Bibel lehrt, dass bei Gott all unser Tun wichtig ist. Die Reformatoren sahen «weltliche» Arbeit als genauso wertvoll und gottgefällig an, wie «geistliche» Dienste. Die Bibel sagt:

 

Kol 3,17.23: Alles, was ihr sagt, und alles, was ihr tut, soll im Namen von Jesus, dem Herrn, geschehen, und dankt dabei Gott, dem Vater, durch ihn…23 Worin auch immer eure Arbeit besteht – tut sie mit ganzer Hingabe, denn ´letztlich` dient ihr nicht Menschen, sondern dem Herrn.

 

Wenn wir bei der Arbeit unsere Gaben für Gott einsetzen, beim Windeln wechseln, Maschinen und Software entwickeln, Recht sprechen und Äcker bearbeiten, dann tun wir das genauso in Gottes Auftrag und Wille, wie ein Missionar. Genauso gilt dabei, dass Gott für all unser Tun wichtig ist. Das Evangelium der Gnade soll unsere Motivation, unsere Werte, die Arbeitsweise und Methoden unserer Arbeit prägen. Als Christen wollen wir unseren Glauben nicht nur zu Hause oder in der Gemeinde pflegen und uns einigeln. Nein, viel mehr wollen wir reife Christen werden, die in ihren Berufen, Qualität und eine christliche Prägung erkennen lassen. Dabei bereichern wir die Kultur in der wir leben und an gewissen Punkten fordern wir sie mit einer Gegenkultur heraus.

 

Wie können wir nun, durch das Evangelium der Gnade, unseren Arbeitsplatz prägen und beeinflussen. Ich stelle hier nur vier Thesen auf, die zum Weiterdenken anregen sollen:

  1. Das Evangelium der Gnade verändert unsere Motivation, die Einstellung zur Arbeit.
  2. Das Evangelium der Gnade verändert unsere Sicht gegenüber der Arbeit und der Welt.
  3. Das Evangelium der Gnade prägt unsere Ethik für die Arbeitswelt.
  4. Das Evangelium der Gnade gibt uns neue Sichtweisen und Anstösse für unsere Berufswelt.

 

 

Mit liebem Gruss

Stefan Kym