Gottes Liebe erfahren und weiterschenken

Kirche mit Hoffnung

Das 5. Evangelium

März 2012

Eine gestresste Frau fährt mit ihrem Auto auf einer viel befahrenen Hauptstrasse in die Stadt hinein. Sie ist unter Zeitdruck und nervt sich sichtlich an dem gemütlich vor ihr fahrenden Auto eines älteren Herrn. Als die Ampel auf gelb wechselt, hält das Auto vor ihr an. Das ist zu viel für die gehetzte Dame und sie macht ihrem Ärger Luft in dem sie heftig schimpft und entsprechend gestikuliert. Mitten in ihren Frust hinein klopft es an der Scheibe und sie schaut in das Gesicht eines Polizisten, der sie auffordert, das Auto zum Strassenrand zu fahren und auszusteigen. Nach einem kurzen Gespräch fordert der Polizist sie auf, auf die Polizeistation mitzukommen um einige Dinge abzuklären. Dort werden sämtliche Papiere kontrolliert und die Frau wird auf der Station über eine Stunde lang aufgehalten. Dann kommt der besagte Polizist zurück und entschuldigt sich für den Zwischenfall. „Wissen Sie Madame“, sagt er, „ich sah auf Ihrer Stossstange die zwei christlichen Aufkleber. Der Eine heisst ja: „WWJD – what would Jesus do“ (was würde Jesus tun) und der andere: „Folgen Sie mir zur Kirche“. Da dachte ich, als ich Sie so vor der Ampel sah, dieses Auto könnte gestohlen sein.“

Wir sind im Alltag tatsächlich Visitenkarten unserer Überzeugung und der Polizist dachte, diese schimpfende Frau könne wohl kaum die Besitzerin dieses Autos sein. Er nahm an, dass jemand, der solch fromme Sprüche ans Auto klebt, ein anderes Verhalten im Strassenverkehr zeigt. Der Zwischenfall war beschämend für die Dame und zeigt auf, dass wir als Christen in unserer Welt beobachtet werden.

Wir haben insgesamt fünf Evangelien. Nein, das ist kein Druckfehler:

Es gibt fünf Evangelien. Vier stehen in der Bibel und eins schreiben wir als Christen mit unserem Leben.

Die meisten Menschen lesen nur das fünfte Evangelium, nämlich die Botschaft unseres Lebens als Christen. Die entscheidende Frage ist, ob sich die gelebte Botschaft in unserem Alltag mit den vier biblischen Evangelien deckt. Was lesen die Menschen, die im Alltag mit uns verkehren über Liebe, Vergebung, Geduld und Sanftmut? Durch dieses Evangelium will Jesus Christus Menschen ansprechen, segnen und ihre Herzen berühren. Sie lesen es, ohne dass sie es merken und doch bleiben dadurch tiefe Eindrücke zurück. In 1. Petrus 3,15 steht: „…Seid immer dazu bereit, denen Rede und Antwort zu stehen, die euch nach eurem Glauben und eurer Hoffnung fragen.“ Das bedeutet, dass wir buchstäblich ein „fragwürdiges“ Leben führen. Ein Leben, das einen Unterschied im grauen Alltag von negativem Reden, Kritik und Undankbarkeit ausmacht. Die einleitende Geschichte zeigt, dass unser Zeugnis nicht bestimmt wird durch fromme Sprüche, die wir zum Besten geben können, sondern durch ein liebevolles Verhalten, das in der Praxis auf unseren Herrn Jesus Christus hinweist.

Jesus Christus hat das in seiner berühmten Bergpredigt einst so ausgedrückt: „Ihr seid das Licht der Welt. Lasst euer Licht vor den Menschen leuchten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater, der in den Himmeln ist, preisen.“ Jesus möchte tatsächlich, dass wir mit unserem Benehmen Aufsehen erregen in unserer Gesellschaft. Ein solches Leben ist ein lesbares Evangelium von unserem wunderbaren Herrn. Heutzutage ist den meisten Menschen die biblische Botschaft dermassen fremd geworden, dass sie praktisch nur noch dieses fünfte Evangelium lesen und verstehen können. Lasst uns umso mehr darauf achten, dass wir diese gute Botschaft mit unserem Leben nicht in ein falsches Licht stellen, sondern im Gegenteil andere Menschen mit unserem Lebensstil neugierig und suchend machen. So dass sie sagen: Ich möchte mehr wissen von der Quelle deiner Kraft und Lebensfreude. Wir tragen die Verantwortung, ob unsere Botschaft durch unser Verhalten unterstrichen oder durchgestrichen wird. Wir möchten als Christen und als Gemeinde neu Gesellschaftsrelevanz in unserem Umfeld gewinnen. Das geht nur übers fünfte Evangelium, also über dich und mich – und das Schöne dabei ist: Die Menschen lesen es wirklich und dieses Evangelium zeigt Wirkung! Wie wir ein noch besseres fünftes Evangelium in Gottes Händen werden, das wollen wir in den Gottesdiensten und Vertiefungsabenden im März und April entdecken. Endlich sind sie da, die „42 Tage – Leben für meine Freunde“. Ich freue mich von Jesus geprägt und verändert zu werden. Das tut uns allen gut!

Stefan Kym
(übernommen von Dick Leuvenink
und leicht angepasst)