Gottes Liebe erfahren und weiterschenken

Kirche mit Hoffnung

 Das Geheimnis des Christseins

März 2014

Paulus offenbart im Kolosserbrief 1,27b ein Geheimnis: Und wie lautet dieses Geheimnis? »Christus in euch – die Hoffnung auf Gottes Herrlichkeit!«

Das Geheimnis des Christseins ist, dass Jesus Christus in uns lebt! Gott wohnt nicht weit entfernt im Himmel, sondern ist uns näher, als wir uns bewusst sind. Wir sind nicht nur „Christus-gläubig“, sondern „Christus-Träger“. Diese Tatsache macht einen grossen Unterschied!

Wer sich als „Christus-gläubig“ betrachtet und versucht, Gottes Weisungen gerecht zu werden, der wird sich bald als Verlierer fühlen. „Christsein muss etwas für bessere Menschen als mich sein.“ Oder, wer das Gefühl hat zu genügen, wird stolz. Ian Thomas, der Gründer der Fackelträger, hat geschrieben: „Christ-sein ist nicht leicht, Christ-sein ist auch nicht schwer, Christ-sein ist unmöglich!“ Das mag etwas verwirrend klingen, ist es jedoch nicht. Keiner schafft es, Christ zu sein. Christsein bedeutet nicht, dass ich für Christus arbeiten muss sondern, dass Christus in mir und durch mich arbeitet. Unser tägliches Gebet am Morgen könnte daher etwa so aussehen: „Herr, ich kann deinen Anforderungen nicht genügen. Aber du kannst es. Gebrauche mich so wie du willst, um heute in dieser Welt zu wirken.“

Nach dem Theologen Adolf Theissmann kommt die Formel „In Christus“ (en christo) im Neuen Testament 196 Mal vor. Sie charakterisiert das Verhältnis des Christen zum lebendigen Christus. Du kannst jemand anderem nicht näher sein, als wenn du in ihm bist. Bist du dir dieser Tatsache bewusst? Klassisch lesen wir diesen Zustand bei Johannes, der in seinem Evangelium 15,5 schreibt: Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

Es geht hierbei um ein ‚Sein in Christus‘ und um das ‚Christus in uns Sein‘. Auf uns selbst gestellt können wir keine bleibenden Werke produzieren. Wenn Gott in Christus durch den Heiligen Geist in uns wohnt, dann kann er jene Dinge tun, die wir aus eigener Kraft nicht vollbringen können. Im deutschen Sprachgebrauch gibt es eine Analogie zum biblischen in Christus. Wenn ein Mann sich verliebt, dann ist er nicht mit der Frau, sondern in sie verliebt. Dies kann uns zum besseren Verständnis dienen. Wer verliebt ist, denkt Tag und Nacht an die Geliebte. Er redet mit ihr stundenlang, vermeidet alles, was sie verletzen könnte und möchte möglichst viele gemeinsame Stunden mit ihr erleben. Ähnlich verhält es sich, wenn ein Gläubiger „in Christus“ ist. Unsere Herausforderung ist es, jeden Tag neu zu Christus zu kommen und in ihm zu bleiben.

Der Inder Sundar Singh wurde nach seiner Bekehrung zu Jesus Christus von einem Hindu gefragt: „Was hast du mehr am christlichen Glauben?“ Singh antwortete: „Ich habe Jesus!“ Der gelehrte Hindu ungehalten: „Ja, das weiss ich! Aber ich möchte wissen: Welche besondere Lehre hast du entdeckt, die dir vorher fehlte?“ Er sagte wieder: „Das Besondere, das ich entdeckt habe, ist Jesus!“

Dies ist keine banale Antwort, sondern trifft den Kern des Christseins. Wenn man einen Frischverheirateten fragen würde, was er Besonderes in der Ehe gefunden habe, wäre es naheliegend, dass er antworten würde: „Das Besondere in meiner Ehe ist meine Frau!“ Die Essenz einer Ehe ist der Ehepartner – die Liebe zu ihm und die Verbundenheit mit ihm. Die Essenz des Christseins ist die Verbundenheit und Einheit mit Jesus Christus. Christus in uns und wir in ihm. Das alltägliche Wachsen in dieser Verbundenheit nennt die Bibel Heiligung.

(In Anlehnung an Hans Peter Royer aus der Zeitschrift Aufatmen Sonderheft: Glaube am Montag)

Mit herzlichem Gruss
Stefan Kym