Gottes Liebe erfahren und weiterschenken

Kirche mit Hoffnung

Editorial Juli/August

Ein tief persönliches Wort

Ein tief persönliches Wort

Im September werde ich, so Gott will und ich lebe, 50 Jahre alt. Ein halbes Jahrhundert ist menschlich gesehen eine beachtliche Zeit. Da lohnt es sich zurückzublicken und ein paar Lebensweisheiten festzuhalten. Dies möchte ich im Gottesdienst vom 25. August 2019 unter dem Thema: «Einsichten aus einem Leben mit Gott» Phil 1,6 tun. Dieser Gottesdienst soll von Dankbarkeit und ein paar Weisheiten geprägt sein. Gerne dürfen dazu speziell Gäste eingeladen werden, es könnte durchaus interessant werden.

Rückblickend gibt es auch Dinge, die mich persönlich tief beschäftigen. Davon möchte ich in diesem Editorial schreiben. Mit den folgenden Zeilen möchte ich niemanden angreifen, sondern zeigen, was mich bewegt. Diese Zeilen sollen zum Nachdenken und auch zum Gespräch ermutigen. Gerne nehme ich Feedbacks entgegen.

Ich betrachte mit einer gewissen Sorge, wohin wir Christen uns entwickeln. Im ideaSpektrum vom 2. Mai 2019 las ich zwei interessante Interviews, die meine Sorge teilen. Daraus möchte ich einiges weitergeben und offene Fragen stellen.

Freikirchen sind seit den letzten ca. 150 Jahren entstanden, weil Menschen, Gottes Wort ernst nahmen und sich gegen ein liberales Christentum abgrenzten. Ihnen war es wichtiger, was Gott sagt, als was gesellschaftlich dem Mainstream entsprach. Mainstream war damals eine starke humanistische Bewegung, gekoppelt mit einem historisch kritischen Bibelverständnis. Diesem Mainstream wiedersetzte man sich. Daraus entstanden die sogenannten Evangelikalen.

1966 drei Jahre vor meiner Geburtsstunde trafen sich noch 24'000 Teilnehmer zu einer Grosskundgebung der Bekenntnisbewegung «Kein anderes Evangelium» in Dortmund. Es wurde für den wahren Glauben gekämpft. Dieser Kampf entstand, weil Rudolf Bultmann (1884-1976), Willi Marxen (1919-1993) und Herbert Braun (1903-1991) alles Theologieprofessoren, den Sühnetod Jesu, seine leibliche Auferstehung, Himmelfahrt und Wiederkunft leugneten. Später wurde Jesus als einziger Heilsweg abgelehnt und humanitäre Hilfe an die Stelle von Mission gesetzt. Aktuell behaupten die Landeskirchen, dass die gottesdienstliche Segnung und Trauung von Homosexuellen ein Gott wohlgefälliger Akt sei. Die Mitte der 1960er Jahre gegründete Bekenntnisbewegung «Kein anderes Evangelium» wollte mit viel Elan den theologischen Niedergang der Landeskirchen aufhalten – leider ohne Erfolg. Was mich nun aber viel mehr bewegt, ist die Frage, wo entwickeln wir uns Evangelikalen hin?

Hier zum Nachdenken Auszüge aus dem idea Interview von Prof. Friedhelm Jung:

«Erste freikirchliche Pastoren leugnen die Jungfrauengeburt Christi und seinen Sühnetod. Selbst in einer eher konservativ evangelikal geprägten Freikirche wie dem Bund Freier evangelische Gemeinden (D) gibt es inzwischen Beispiele dafür.»

«Einige Freikirchen sind nicht mehr sicher, ob praktizierte Homosexualität Sünde ist. Sie diskutieren über den Umgang mit praktizierenden Homosexuellen in ihren Reihen. Dürfen sie Mitglieder der Gemeinde sein und in ihr auch mitarbeiten? Darf eine gottesdienstliche Segnung gleichgeschlechtlicher Partner vorgenommen werden?»

«Junge Evangelikale sind heute weniger an biblischer Lehre als vielmehr an charismatisch geprägtem Lobpreis interessiert. Ökumenische Umarmungen stehen höher im Kurs als Abgrenzungen von Konfessionen, die unbiblische Lehren vertreten.»

«Neben und teilweise auch anstelle von Mission ist die Gesellschaftstransformation getreten. Evangelikale erkennen die grossen sozialen Herausforderungen und Missstände und möchten – was grundsätzlich zu begrüssen ist – im Sinne Jesu Christi Nächstenliebe und humanitäre Hilfe weitergeben sowie negative Strukturen verändern. Doch leider wird dabei das Zeugnis von Jesus als dem einzigen Weg zu Gott zeitweise an die zweite Stelle gerückt, obwohl der Missionsbefehl oberste Priorität haben sollte.»

Wird die überkonfessionelle evangelikale Bewegung, der momentan über eine Million Christen zugrechnet werden, die Kraft haben, dem Zeitgeist zu widerstehen? Oder werden wir uns im Stil der Landeskirchen der Mehrheitsgellschaft anpassen und dadurch an Kraft und Bedeutung verlieren? Werden wir gegen den Strom schwimmen und Licht und Salz sein? All diese Fragen hängen letztlich davon ab, wie wir mit der Bibel umgehen! Ist und bleibt sie Gottes verbindliches und irrtumsloses Wort? Oder, enthält sie nur teilweise Gottes Wort und unterliegt unserer Willkür?

Wo entwickeln wir uns hin? Das wird die grosse Frage in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sein!

Um es mit den Worten von Xavier Naidoo, einem bekannten deutschen Interpreten zu sagen: «Dieser Weg, wird kein leichter sein, dieser Weg wird steinig und schwer»

Mit herzlichem Gruss

Pfr. Stefan Kym