Gottes Liebe erfahren und weiterschenken

Kirche mit Hoffnung

Gebet, Lobpreis – zum Lob seiner Herrlichkeit

September 2015

Gerne teile ich eine Erfahrung aus meiner Auszeit in New York mit euch. Beim Besuch meines ersten Gebetsabends in Brooklyn war ich überrascht. Kurze Vorbemerkung: Manches ist sehr ähnlich wie bei uns und manches anders. Mit dem Beschreiben meiner Erfahrung möchte ich keine Bewertung machen, weder wie ich es in Brooklyn, noch wie ich es in der Schweiz erlebt habe!

Es war so… Der Gebetsabend fängt offiziell um 19 Uhr an. Es besteht jedoch die Möglichkeit schon zwei Stunden vorher im Saal zu beten. Dies nutzen einige Menschen, so sind sie am Ende ca. 3 - 4 Stunden am Dienstagabend im Gebet. Etwa eine halbe Stunde vor 19 Uhr bietet ein Gebetsteam (ca. 20 Personen) persönliches Gebet an. Die Menschen stehen dann durch die ganze Kirche Schlange. Punkt 19 Uhr ist der Start. Die erste Stunde besteht aus Lobpreis, dabei eingeflochten sind eine Kollekte und einige motivierende Worte zum Gebet. Vor allem wird Gottes Grösse und seine Macht hervorgehoben. Die Anwesenden sind über 25 Jahre, viele in der Mitte des Lebens und es hat auch viele ältere Personen. Was mich dabei überraschte war die Lautstärke. Ich war in meiner Jugendzeit an einigen Rockkonzerten und so laut war es auch in der Kirche (nicht nur am Dienstagabend, auch am Sonntagmorgen; ich habe am Ende Ohropax verwendet...). Weiter hat mich erstaunt, dass fast alle die ganze erste Stunde gestanden sind. Die ü80 haben sich mit der Zeit hingesetzt und auch ich musste mich setzen, weil mich immer noch der verletzte Fuss schmerzte. So fühlte ich mich für einen Augenblick wie ü80 :-). Nach der Stunde Lobpreis kam eine Zeit des Gebets, dabei wurde manchmal für ein, zwei Anliegen gebetet, im Plenum, alle zusammen zur gleichen Zeit. Manchmal wurden auch an die ca. 2‘500 - 3‘000 Betenden Karten mit Gebetsanliegen verteilt. Jeder bekam eine Karte und dann beteten immer zwei zusammen für die Anliegen. Nach einer ermutigenden Predigt, wieder zur Güte und Grösse Gottes, wurde nochmals gesungen und punkt 21 Uhr war der Gebetsabend zu Ende.

Lobpreis, Lieder singen, Worship wie auch immer wir es nennen, warum und wieso singen Christen Lieder? Gebet in den unterschiedlichsten Formen, warum beten wir?

Geht es dabei um uns? Geht es darum, dass uns die Lieder auferbauen, dass sie zu uns sprechen oder uns einen Kick geben? Natürlich können uns die Textinhalte stärken, natürlich werden wir von den Liedtexten angesprochen, natürlich spricht uns Musik emotional an, vor allem wenn sie laut ist. Wir sind von Gott als emotionale Wesen geschaffen. Aber...! Und jetzt kommt unser schweizerisches „Aber“. Aber das ist nicht das Zentrale, das alles sind Nebenprodukte des Lobpreises, Singens…

Lobpreis, Singen… ist eine Form, wie wir Gott anbeten können. Es geht in erster Linie um Gott! In Eph. 1 lesen wir im Vers 3: „Gelobt sei Gott…“. Mit einer unmissverständlichen Aufforderung zum Lobpreis Gottes beginnt dieser Abschnitt. Dann erzählt Paulus, dass er die Christen in Ephesus erwählt, sie zu Kindern Gottes gemacht und sie gesegnet hat. Wozu? V. 6: „…zum Lob seiner herrlichen Gnade,..“ Weiter beschreibt Paulus all das, was Gott für uns Menschen getan hat: Erlösung durch Jesus; Vergebung der Sünden; dem Angebot des Heils für alle Menschen; dass Christen Erben Gottes sind usw. Wozu? V. 12: „…damit wir etwas seien zum Lob seiner Herrlichkeit“. Weiter spricht Paulus von Gottes Wirken und Segen für uns Christen: Versiegelung mit dem Heiligen Geist; Wozu? V. 14 „…zum Lob seiner Herrlichkeit“.

Vier Mal macht Paulus in diesem kurzen Abschnitt deutlich, was unsere Lebensberufung und die Zielrichtung unseres Lebens und Lobpreises, Singens… und auch unseres Betens ist oder sein soll. Wir leben, beten, lobpreisen, singen um Gott zu loben, ihn anzubeten!

Deshalb wundere ich mich manchmal, warum die Gebetsveranstaltungen in der Schweiz und vermutlich auch in den USA an vielen Orten so leer sind. Ich bin überzeugt, es liegt nicht daran, wie die Gebetsveranstaltung gestaltet wird. Die Form, die ich in Brooklyn erlebt habe, mag die einen ansprechen, andere schreckt sie ab. Woran liegt es, dass ich in Brooklyn eine volle Kirche am Dienstagabend erlebt habe? Ich stelle eine Vermutung an:

Die Liebe von Gott: An erster Stelle steht die Erfahrung von Gottes Liebe. Darum zählt Paulus all die Dinge auf, die Gott für uns getan hat. Wir sollten nie vergessen, woher wir gekommen sind und was Gott schon alles für uns getan hat und immer noch tut.
Die Liebe zu Gott: Das Wirken Gottes an uns sollte im Normalfall in uns Dankbarkeit und Liebe zu Gott und den Mitmenschen wecken. Wer Gott liebt, wer von ihm begeistert ist, wer ihn und seine Güte erkannt hat, der will Gott loben, preisen, anbeten, weil Gott gut ist, egal welche Umstände gerade in seinem Leben sind.
Der Glaube an einen handelnden Gott: Glauben wir wirklich an einen allmächtigen Gott? Glauben wir wirklich, dass Gebet, reden mit Gott, der Zugang zu Gott ist? Glauben wir wirklich, dass Gott aufgrund unserer Gebete handelt und verändert? Wir können sagen, was wir wollen, ob wir es wirklich glauben zeigt sich daran, ob wir beten oder eben nicht beten. Unsere Gebetsabende sind nicht deshalb relativ schwach besucht, weil wir keine Zeit hätten, weil wir nicht können, weil… Ich glaube es liegt viel mehr daran, dass wir von Gott und unseren Gebeten so wenig erwarten.

Versteht diese Zeilen bitte richtig. Ich klage nicht an, ich mache nur eine Analyse. Und ich bitte dich, überprüfe einmal deine Beziehung zu Gott, deinen Glauben – was glaubst du wirklich? Was erwartest du noch von Gott? Geht es in erster Line um dich oder um Gott? Gott geht es um dich – um wen sollte es wohl bei uns gehen? Wie reif ist unser Glaube? Jemand hat gesagt: Die Reife einer Gemeinde erkennst du nicht an der Zahl der Gottesdienst-Besucher, sondern viel mehr an der Zahl derer, die am Gebetsabend mitbeten.

Es war ein herrliches Erlebnis mit 2‘500 - 3‘000 Christen gemeinsam Gott in einem vollen Saal mit Liedern zu preisen und mit ihm zu reden. Aber um das herrliche Erlebnis geht es nicht in erster Linie. Lobpreis, Gebet – zum Lob seiner Herrlichkeit! Stellt euch vor, wir Christen würden das leben. Dann wären auch unsere Gotteshäuser in der Schweiz wieder voll am Gebetsabend. Gott würde gelobt. Gott würde noch vermehrt in das Leben von Menschen eingreifen. Seine Herrlichkeit würde sich noch weiter verbreiten. Wäre das nicht ein lohnenswertes Ziel?

Ich weiss, beten kann man überall und auch ganz gut alleine. Auf dem gemeinsamen Gebet liegt jedoch ein besonderer Segen (Mt 18,19-20). Überlege dir, ob es nicht möglich ist, alle zwei Wochen eine Stunde von 20 - 21 Uhr in etwas wirklich Wertvolles zu investieren. Es ist nie zu spät damit anzufangen Gott gemeinsam zu loben.

Am 25. Oktober starten wir mit der Predigtreihe: „Mit Gott reden – Gebet“. Ich habe dazu ein kleines Buch verfasst, das uns in den Hauskreisen begleiten wird. Zudem lade ich jeden an die Gebetsabende ein. Du musst nicht bis im Oktober warten, der nächste findet am 1. September statt und erst noch gleich mit Abendmahl. Und dann? Dann alle zwei Wochen.

Mit liebem Gruss
Stefan Kym