Gottes Liebe erfahren und weiterschenken

Kirche mit Hoffnung

Rissige Gefässe

Mai 2014
„Denn wenn ich schwach bin, bin ich stark“

Folgende Geschichte veranschaulicht diese Wahrheit aus 2. Korinther 12,10:

In Indien lebte einst ein Wasserträger. Für seine Aufgabe benutzte er zwei grosse Krüge. Er legte eine Stange über seinen Nacken und befestigte an jedem Ende der Stange einen Krug. Einer der Krüge hatte einen grossen Riss, während der andere vollkommen in Ordnung war. In dem unversehrten Krug kam immer die vollständige Portion Wasser beim Haus seines Herrn an, während der rissige Krug jeden Tag nur halb voll ankam.

Zwei Jahre lang ging dieser Wasserträger denselben Weg. Der unversehrte Krug wurde stolz auf seine Leistungen. Der rissige Krug schämte sich seiner Unvollkommenheit und fühlte sich elend, weil er nur die Hälfte von dem schaffen konnte, wofür er gemacht war. Schliesslich, eines Tages am Fluss, sprach der rissige Krug mit seinem Besitzer über sein bitteres Versagen. „Ich schäme mich und ich möchte mich entschuldigen, dass ich nur die Hälfte meines Wassers zu deinem Haus bringen konnte. In meiner Seite ist ein Riss, durch den das Wasser heraussickert. Wegen meines Mangels kannst du nicht den vollen Nutzen deiner Anstrengungen geniessen.“ Da erwiderte der Wasserträger lächelnd: „Wenn wir zum Haus meines Herrn zurückgehen, möchte ich, dass du auf die schönen Blumen am Weg achtest.“

Auf diesem Gang vom Fluss zurück schaute der rissige Krug sich um. „Hast du bemerkt, dass es nur auf deiner Seite des Weges Blumen gibt, aber nicht auf der Seite des anderen Kruges?“, bemerkte der Wasserträger. „Der Grund ist, dass ich schon immer von deinem Mangel gewusst habe, und ich habe ihn mir zunutze gemacht. Ich habe auf deiner Seite des Weges Samen ausgesät und jeden Tag, wenn wir hier entlang gegangen sind, hast du sie bewässert. Jetzt konnte ich schon zwei Jahre lang diese schönen Blumen pflücken, um den Tisch meines Herrn zu schmücken. Wenn du nicht wärst, wie du bist, hätte ich nicht diese schönen Blumen, um sein Haus zu zieren.“

Vielleicht siehst du auch so manchen Riss in deinem Leben. Hast du dir schonmal Gedanken gemacht, ob Gott nicht deine Schwachheit, wie sie auch immer heissen mag, zu seiner Ehre nutzen möchte, oder es vielleicht sogar schon lange tut?

Die Bibel ist voll von rissigen Gefässen:

  • Mose stotterte.
  • Davids Rüstung passte nicht.
  • Johannes Markus liess Paulus im Stich.
  • Timotheus hatte Magenprobleme.
  • Hoseas Frau war Prostituierte.
  • Jakob war ein Lügner.
  • David hatte eine Affäre, mordete und missbrauchte seine Macht.
  • Paulus war ein Christenverfolger.
  • Mose war ein Mörder.
  • Jona lief vor Gott davon.
  • Jeremia war depressiv und selbstmordgefährdet.
  • Elia hatte ein Burnout.
  • Marta war ständig besorgt.
  • Noah betrank sich.
  • Salomo war zu reich und Jesus war zu arm.
  • Abraham war zu alt und David war zu jung.
  • Petrus hatte Angst vor dem Tod und Lazarus war tot.
  • Mose war jähzornig (ebenso wie Petrus, Paulus und viele andere Bibelhelden)

Gott hat schon immer rissige Gefässe gebraucht, um zu zeigen, „dass unsere Kraft ganz von Gott kommt und nicht unsere eigene ist“ (2.Korinther 4,7). Das bedeutet nicht, dass wir die Leute darin bestärken, so zu bleiben, wie sie sind. Die Wahrheit über uns selbst zuzugeben, ist jedoch der Ausgangspunkt für Veränderung. Und: Unsere Schwachheit ist für Gott kein Hindernis! Darum habe Mut, setze dich für Gottes Reich und seine Gerechtigkeit mit grosser Zuversicht ein. Nicht trotz deinen Schwachheiten, sondern mit deinen Schwachheiten.

Mit liebem Gruss
Stefan Kym

(Entlehnt und ergänzt aus dem Buch von Peter Scazzero. Das Paulus-Prinzip. Warum Schwäche ein Gewinn sein kann. S. 141-148.)