Editorial November und Dezember

Jesus war bei den Menschen - Sind wir es auch?


Bi de Lüt – im Internet?

Jesus war bei den Menschen. Er besuchte die Synagogen und lehrte die Bibel. Gleichfalls war er bei einem Festessen eines Zöllners, der seine ganzen Kumpanen eingeladen hatte. Er war auf dem Berghügel, wo er Tausende lehrte und wir könnten noch viele solche Situationen aufzählen. Bei Jesus sammelten sich die Menschen, aber er begegnete auch dem Einzelnen.

Wo sind die Menschen heute? Natürlich immer noch bei Einladungen zu Geburtstagen. Und wir Christen? Wir sind mittendrin, in Gesprächen und können unseren Glauben bezeugen. Wir können von dem erzählen, was wir mit Jesus erleben. Und wo sind die Menschen noch? Im Internet! Es werden Informationen gesucht. Menschen suchen Lebenshilfe. Sie suchen Hilfe in ihrer verzweifelten Situation. Sie möchten Meinungen austauschen und ganz unverbindlich und unerkannt zu hören, was auch Christen zu sagen haben. Längst nicht immer sind sie damit einverstanden, was Christen sagen, aber es ist viel einfacher eine Predigt im Internet zu hören, als sich aufzumachen und in eine Kirche zu gehen. Wäre Jesus heute auch im Internet? Wo Jesus sicher wäre, ist bei den Leuten!

Auch als FEG wollen wir bei den Leuten sein. Wenn immer möglich physisch anwesend. Dabei sollten wir nie vergessen, dass wir Boten des höchsten Gottes sind, des König der Könige, was für eine Ehre und Verantwortung. Gott will und kann uns in unserer Schwachheit gebrauchen, weil er besonders in den Schwachen mächtig wirken kann. Also lassen wir uns gebrauchen, da wo Gott uns hingestellt hat.

Als FEG wollen wir bei den Leuten sein. Wenn immer möglich auch in der virtuellen Welt, im Internet, mit unseren Predigten auf YouTube. Wenn ich uns an unseren Auftrag erinnere, dann lässt sich das im Missionsbefehl kurz zusammenfassen. «Geht hin, macht alle Völker zu Jüngern, tauft sie und lehrt sie.» Schon damals mussten die ersten Christen zu den Menschen hingehen und erst dann kamen neue in die Gemeinde. Die Menschen heute kommen oft über das Digitale zum Analogen. Das heisst, sie hören Predigten im Internet und erst einige Zeit später kommen sie in einen physischen Hauskreis und in den Gottesdienst. So begrüsste mich vor einiger Zeit eine Frau im Gottesdienst. Ich stellte mich ihr vor und sie sagte, dass sie mich schon kenne. Ich erkundigte mich woher, und sie meinte, dass sie schon lange unsere Predigten höre. Solche Geschichten erzählen mir auch Pastorenkollegen.

Kirche on demand (auf Bestellung) ist längst Realität. Wir hinken einiges hinterher. Es gibt auch in unseren Kreisen Menschen, die sich angewöhnt haben, den Gemeindetreffen fern zu bleiben, weil es digital viele gute Prediger und Predigerinnen gibt. Ich werde manchmal gefragt, was passiert, wenn wir unsere Gottesdienste auch Streamen. Werden dann nicht noch mehr Menschen zu Hause bleiben und dort die Gottesdienste verfolgen? Nun, das tun sie doch schon längst, einfach nicht unsere. Damit verlieren sie den Kontakt zu ihrer Ortsgemeinde. Es ist erwiesen, dass qualitativ gute Streams säkulare Menschen, die suchend sind, ansprechen und Menschen so zum Glauben und in die Gemeinde finden. Der Mensch ist auf Gemeinschaft angelegt und das ist unsere Chance als Kirche. Gemeinschaft, die in den Kleingruppen und im Gottesdienst erlebt werden kann. Es ist doch etwas anderes, ob ich mit anderen zusammen Gott anbeten kann und er mir im Nächsten begegnet oder ob ich hinter einem Bildschirm sitze und alles virtuell weit weg ist.

Es ist viel einfacher deinen Freunden und Verwandten einen Link mit unseren Predigten zu schicken, als sie in den Gottesdienst vor Ort einzuladen. Es ist längst Zeit diese Medien zu nutzen und auch als kleine Ortsgemeinde kommen wir nicht darum herum, diese wichtigen Hilfsmittel zum Bau von Gottes Reich zu nutzen. In diesem Sinne wollen auch wir als FEG zu de Lüt.

Es ist eine Möglichkeit dem Gehorsam zu sein, der gesagt hat:

Mt 28,18-20: »Mir ist alle Macht im Himmel und auf der Erde gegeben. 19 Darum geht zu allen Völkern und macht die Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes 20 und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Und seid gewiss: Ich bin jeden Tag bei euch, bis zum Ende der Welt.«

Stefan Kym